“Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD: Queere Katholik*innen fordern klare Solidarität statt Schweigen“

Der Anschlag auf den CSD in Berlin erschüttert uns noch immer. Er macht uns traurig. Und er macht uns wütend. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen, ihren Angehörigen und allen, die an diesem Tag Angst erleben mussten. Ein Angriff auf einen CSD ist ein Angriff auf queere Menschen, die für ihre Würde, ihre Freiheit und ihre Sichtbarkeit einstehen.

Wütend macht uns aber auch, wie auf diesen Anschlag reagiert wird: Wir erleben politische Stellungnahmen, die die queere Community nicht einmal klar benennen. Solidarität darf sich nicht in allgemeinen Floskeln erschöpfen. Wer als Politiker*in gleichzeitig queeren Projekten die Mittel kürzt bzw. streicht, Schutzstrukturen abbaut oder queere Lebensrealitäten lächerlich macht und beleidigt, sollte sich fragen, welchen Anteil die eigene Sprache und Politik am gesellschaftlichen Klima hat. Worte schaffen Wirklichkeit. Wer Menschen unsichtbar macht, verletzt sie ein weiteres Mal!

Mit großer Enttäuschung nehmen wir wahr, dass viele Verantwortliche unserer katholischen Kirche, Bischöfe und andere Leitungspersonen, erneut schweigen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, fehlt ein klares Wort der Solidarität mit queeren Menschen in dieser schwierigen Situation. Dieses Schweigen ist nicht neutral. Es vermittelt vielen Betroffenen einmal mehr den Eindruck, dass ihre Angst, ihre Würde und ihr Leben nicht die gleiche Aufmerksamkeit verdienen wie die anderer. Es manifestiert die kirchliche Ablehnung queeren Lebens und bereitet in der Kombination mit christlich-fundamentalistischen Positionen letztlich auch den Nährboden für Angriffe auf die LGBTIQA+ Community.

Ebenso entschieden wehren wir uns dagegen, dass dieser Anschlag nun von verschiedenen politischen Seiten für populistische Zwecke instrumentalisiert wird. Wer das Leid der Betroffenen benutzt, um eigene Feindbilder zu bedienen oder gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen, zeigt keine Solidarität. Er missbraucht das Leid anderer.

Als queere Katholik*innen erwarten wir mehr von der Politik und von unserer Kirche: den Mut, queere Menschen beim Namen zu nennen, ihre Lebensrealität ernst zu nehmen und sich konsequent gegen Queerfeindlichkeit einzusetzen. Nicht nur nach einem Anschlag. Sondern jeden Tag.

Unsere Wut und Enttäuschung entspringen nicht dem Hass. Sie sind genährt von der Missachtung unserer Überzeugung, dass jeder Mensch in Sicherheit, Würde und Freiheit leben können muss. Deshalb werden wir nicht schweigen. Und wir werden nicht aufhören als queere Katholik*innen sichtbar und laut zu sein.

Der Vorstand von OutInChurch e.V.


OutInChurch – für eine Kirche ohne Angst

OutInChurch e.V. ist ein Verein und ein Netzwerk von über 600 LSBTIQA+ Menschen, die hauptberuflich oder ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche tätig sind. Die Initiative ging im Januar 2022 mit einem kollektiven Coming-out und einem Manifest an die Öffentlichkeit. In der begleitenden ARD Doku „Wie Gott uns schuf“ werden über 100 Mitwirkende vorgestellt.

Weitere Informationen:
www.outinchurch.de
https://www.instagram.com/outinchurch/
https://fb.me/OutInChurch/


Pressekontakt:
presse@outinchurch.de  
Jens Ehebrecht-Zumsande, Mobil: 0178 7160844


Trag dich ein, um über unsere Arbeit auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Ähnliche Beiträge